Aber pass auf! – Zu Besuch in einer ehemaligen Kolonie

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Die schönen Seiten eine Auslandsentsendung nach Namibia

Dienstreise ins Ausland? Ja klar! Pakistan? Warum nicht. Sudan? Für ein paar Tage, kein Problem. Aber eine Entsendung ins Ausland? Mehrere Monate oder Jahre getrennt von Kindern, Familie, Freunden, seiner gewohnten Umgebung und einem geregelten Alltag? Es ist erstaunlich wie stark wir in unserem Alltag „gefangen“ sind. All das fällt allerdings erst auf, wenn wir bewusst darüber nachdenken wie es wäre, etwas zu ändern. Gewohnheitstier? Ja, das bin ich. Ist ja schließlich bequem.

[Aber pass auf, da kommt eine Entsendung]

Seit meinem ersten Arbeitstag bei Lahmeyer im April 2008 habe ich damit gerechnet. Damit, dass mein Arbeitgeber in meinem Büro steht und mir das Angebot einer Auslandsentsendung unterbreitet. Konkrete Pläne wirkten fern. Als es dann soweit war, fing ich an abzuwägen. Welche Vorteile ergeben sich daraus für mich?

  • Die berufliche Referenz;
  • die berufliche und persönliche Horizonterweiterung; und
  • am Ende auch die finanziellen Vorteile.

Ob diese Vorteile die Nachteile aufwiegen? Das wird sich final erst nach meiner Rückkehr in 2018 herausstellen.

Seit 2013 komme ich regelmäßig nach Namibia. Tätig war ich in dem Land bereits seit 2008. Lahmeyer hat seitdem immer wieder Projekte mit dem namibischen Energieversorgungsunternehmen NamPower gehabt. Im Frühjahr 2016 bekam Lahmeyer den Zuschlag als technischer Berater für die Entwicklung eines biomassegefeuerten Kraftwerkprojektes. Dieses beinhaltete einen geplanten 19-monatigen Aufenthalt für den Projektleiter in Namibia. Hintergrund ist ein außergewöhnlicher aber interessanter Rollentausch. Nicht als externer Berater, sondern als Projektleiter innerhalb des Kundenteams wird gearbeitet. Die Aufgabe besteht darin, auf Basis von existierenden konzeptionellen Studien ein „echtes“ Projekt zu entwickeln. Angefangen von detaillierten Machbarkeitsstudien und Standortfindung, über die Umwelt- und Genehmigungsplanung bis hin zur Verhandlung des Brennstoffliefervertrages. In Summe ein breiter und bunter Aufgabenbereich. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt dabei dieses Entwicklungsprojekt und den Einsatz vor Ort.

Nach kleineren Projekttätigkeiten in Bad Vilbel begann dann im Juli 2016 meine Auslandsentsendung in Namibia. Sowohl privat, wie auch im Kollegenkreis waren nicht alle über meine Entscheidung begeistert. Vor allem die Sicherheit in Namibia und die Distanz zu Deutschland wurden immer wieder angesprochen. Aber Namibia!? Wie viele Touristen bezahlen, um in dieses Land auf der Südhalbkugel zu reisen? Einige Skeptiker konnte ich am Ende beruhigen, andere nicht. Einen Hinweis hörte ich allerdings durchweg: Aber pass auf!

[Aber pass auf im Linksverkehr]

Abflug in ein Land, welches eine absolut interessante Mischung aus Nordeuropa und Afrika ist. Mit einem Koffer und einem Umzugskarton reiste ich nach Namibia. Die Einreise verursachte erst mal Diskussionen. Die erste Landung des Tages auf dem Hosea Kutako International Airport war um 5:30 Uhr. Im Flugzeug waren hauptsächlich deutsche Touristen, die bereits gekleidet waren, als ob sie gerade von der Großwildjagd kommen. Diese Tatsache bereitete den Beamten der Passkontrolle anscheinend nicht die beste Laune. „Was arbeiten Sie?“, „Sie haben keine Arbeitsgenehmigung!“, „Sie können nicht länger als zwei Wochen im Land bleiben.“. Am Ende durfte ich passieren, um dann die gleiche Diskussion mit den Zollbehörden zu wiederholen. „Was ist in dem Karton?“, „Warum führen Sie originalverpackte elektronische Geräte (meine neuen Bluetooth Kopfhörer) und eine duty-free Flasche Gin ein?“. Nachdem der Zollbeamte dann meine sauber gefaltete Wäsche in der Kiste vorfand, war er überzeugt, dass ich nichts Böses im Schilde führte.

Anschließend wartete noch ein Mietwagen mit Rechtslenker und Linksverkehr auf mich. Bei der Schlüsselübergabe verabschiedete mich der Mitarbeiter der Mietwagenfirma mit dem Satz: But stay safe! Ich trat daraufhin achtsam und besonnen die 40 km vom Flughafen nach Windhoek an. Bei aller Konzentration wurde ich allerdings von den deutschen Nachrichten auf Hitradio Namibia irritiert. Wie präsent Deutschland in dieser ehemaligen Kolonie noch ist, wurde mir erst über die nächsten Wochen richtig bewusst.

Mein neuer Arbeitsplatz innerhalb der NamPower war die Abteilung Power System Development (PSD). Sie besteht aus einer bunten Mischung aus Deutsch, Englisch, Oshiwambo, Caprivi und Afrikaans sprechenden Ingenieuren sämtlicher Disziplinen. Der Altersdurchschnitt ist im Vergleich zu einem beratenden Unternehmen allerdings eher jung. Ich gehörte auf einmal zu den Alten.

Meine erste und vorübergehende Wohnstätte war dann ein schönes Gästehaus. Deren Besitzer deckten mich beim ersten „Sundowner“ dieses Abenteuers mit Tipps für den neuen Alltag in Windhoek ein. Ein Hinweis kam mir am Ende bekannt vor: Aber pass auf!

[Aber pass auf, wenn du dich einlebst]

Neuer Alltag? Ja genau. Das waren vor der Auslandsentsendung meine Bedenken. Und auf einmal wundere ich mich, wie schnell ein Mensch sich an eine neue Situation gewöhnt und sich anpasst. Es sind inzwischen fünf Wochen rum. Ich kenne alle Kollegen beim Namen, gehe in meiner Freizeit auf Konzerte, ins Kino, ins Fitnessstudio und den Afrikaanssprachkurs. Ich kenne den Weg zu Supermärkten und dem Zahnarzt und überlege, was ich am Abend in meiner gemieteten Wohnung im Schanzenweg koche. Ob sich meine Bedenken über die Entscheidung nach Windhoek zu ziehen bestätigt haben? Nein. Deutschland ist außerdem nicht weit weg. Skype, WhatsApp, Twitter, Facebook….  Der Kontakt zu Familie und Freunden über die sozialen Medien hat auf einmal eindeutig mehr Vorteile, als die Kritiker oft behaupten.

[Aber pass auf, da kommt bald was zum Weiterlesen]

Wo ich noch aufpassen musste? Das nächste Mal.

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