Dam Complex of Upper Atbara – Alle Maschinen am Netz

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The Dam Complex of Upper Atbara

Das Mehrzweck-Projekt “Dam Complex of Upper Atbara” im Osten des Sudan dient der Bewässerung, der Trinkwasserversorgung und dem Hochwasserschutz. Das Wasserkraftwerk stellt darüber hinaus 320 MW elektrischer Leistung zur Verfügung. Weitere Informationen unter lahmeyer.de.

Seit Mitte Juni 2018 sind alle vier Maschinen des Dam Complex of Upper Atbara DCUAP im Sudan am Netz. Das große Ziel, auf das viele Menschen über lange Zeit hingearbeitet haben, ist erreicht. Nicht nur sämtliche Turbinen, sondern auch der Projekt-Manager ist davon „bewegt“, und die vergangenen Jahre passieren Revue…

Upper Atbara - Baubeginn
Frühjahr 2010. Aushubarbeiten für die Hochwasserentlastung am Upper Atbara. Im Vordergrund die begonnenen Brückenarbeiten
Upper Atbara - Hochwasserentlastung
Gleicher Standpunkt nach Fertigstellung. Die Hochwasserentlastung ist auf die größtmögliche Hochwasserflut dimensioniert.

Bürocontainer im Unwetter

Als ich im August 2010 als Beton- und Qualitätssicherungs-Ingenieur auf die DCUAP-Baustelle im östlichen Sudan kam, gab es diese eigentlich noch gar nicht. Nur eine Flusslandschaft, die in der Regensaison gerade regelrecht grün explodierte. In dieses Grün hatte der chinesische Bauunternehmer auf die Felsen am Fluss ein paar Büro-Container gestellt – das war’s. Auch von unserer Seite waren bis dato erst drei Leute vor Ort.

Die heftigen sommerlichen Gewitter kannte ich schon aus den drei Jahren zuvor am Merowe-Projekt im nördlicheren Sudan. Aber nicht die „Weltuntergänge“, wie sie sich hier im Osten ereignen. Nächtens mit über dem Bett gespannter Plane hoffte ich, dass mein Wohncontainer wenigstens den Sturmbelastungen standhält, wenn schon nicht dem Regenwasser.

Marmorbrücken und eine “Stadt” für sich

Mangels Brücken war der Teil des Projektareals rechts des Upper Atbaras sowie der Steinbruch nicht zugänglich. Ohne Steine kein Beton. Und ohne Beton keine Brücke. Der erste Beton des Projekts wurde daher mit dem Marmor des eine Tagesreise entfernten Roseires-Steinbruchs angemischt. Glaubt uns kein Mensch, dass wir hier Marmor-Brücken haben…

Nach und nach trafen Mannschaften, Maschinen, Kräne, Fahrzeuge und weitere Ausrüstung ein. Die ersten Gebäude wurden mit den ortstypischen sonnengetrockneten Ziegeln errichtet. Parallel entstanden Büros und komfortablere -regenfeste- Unterkünfte. Ebenso alle Infrastruktur für ein solches Mega-Projekt mit zeitweise 3500 Menschen vor Ort: Straßen, Lagerhallen, Werkstätten, Labors, Kliniken, Kantinen, Wasseraufbereitungs- und Kläranlagen, Kraftwerke, Steinbrechanlagen, Betonwerke, Tankstellen.

Vor Ort auf der Baustelle des Upper Atbara

Blut, Schweiß und Tränen

Wir – ein Team aus etwa 10 Expatriates – wurden in der Überwachung der Bauarbeiten von ungefähr 50 lokalen Ingenieuren unterstützt. Nervenaufreibend wird es immer dann, wenn nächtens ein Anruf kommt. Das bedeutet, dass draußen ernsthaft etwas schiefläuft. Nicht selten kehre ich erst Stunden später aufgekratzt von solchen Nachteinsätzen zurück. Neben der Bauüberwachung steht viel Verwaltung, Besprechung, Koordination, Abrechnung, Berichteschreiben etc. an, insbesondere als Projekt-Manager seit Anfang 2014. Eine schöne Seite an unserem Beruf ist, dass am Ende ein greif- und sichtbares Ergebnis in Form des Bauwerks steht. Gerade so ein großes Ingenieurbauwerk mag später dennoch kalt und funktional in der Landschaft liegen. Niemand wird sich mehr an all das “Menschliche” erinnern, das sich während der Jahre des Baus zugetragen hat. In diesem Projekt stecken viel “Blut Schweiß und Tränen” auch von mir. Und mein Handy übrigens… vielleicht finden Archäologen das in ein paar tausend Jahren wieder.

Ich war dabei, als hier der erste Stein umgedreht worden ist, und sehe nun wie sich im Krafthaus alle Maschinen drehen. Und kann nicht leugnen, dass mich das wirklich bewegt. 10 Jahre Sudan gehen nicht spurlos vorbei, sondern sind ein unvergesslicher und auch prägender Teil meines Lebens.

One thought on “Dam Complex of Upper Atbara – Alle Maschinen am Netz

  1. Interessanter Bericht, insbesondere die Anfänge aus dem Nichts etwas aufzubauen. Letztlich kommt es immer darauf an die Menschen im Projekt zu vereinen, damit etwas fertig wird.

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