Mit dem Floß zur Baustelle

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dambulla sri lanka

Du studierst und möchtest Praxiserfahrung sammeln? Du bist auf der Suche nach Herausforderungen außerhalb von Deutschland? Vielleicht sogar im Bauingenieurwesen? Begleite mich nach Sri Lanka und werde Teil des Teams – denn dann geht es dir ähnlich wie mir!

Deshalb habe ich bei Tractebel für ein Auslandspraktikum angefragt und die Chance bekommen, für fast zwei Monate im Mahaweli Water Security Investment Program (MWSIP) in Sri Lanka mitzuarbeiten. Ziel des Projektes ist, das Wasser aus dem regenreichen Süden durch Bewässerungskanäle in den Norden zu befördern. Tractebel begleitet hierbei zehn Baustellen.

links: Upper Elahera Canal (UEC); rechts: Minipe Anicut

Drei Tage nach Abgabe meiner Bachelorarbeit ging es für mich nach Sri Lanka. Daher blieb keine Zeit für eine mentale Vorbereitung. Trotz anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten mit meinem Fahrer bin ich dann doch irgendwie am Büro in Colombo angekommen. Zu meiner Erleichterung gab es einige Kollegen, die Deutsch sprechen. Nach einer Woche war die Kommunikation aber problemlos und man hatte sich an die vielen unterschiedlichen Akzente gewöhnt.

Andere Länder – Schärferes Essen!

Beim ersten Mittagessen habe ich „in weiser Voraussicht“ vermeintlich mildes Essen bestellt. Ich musste dann aber ziemlich schnell feststellen, dass dort so gut wie alles extrem scharf ist. Aber damit kam ich im Laufe der Zeit zurecht. Irgendwann weiß man, was sich essen lässt, ohne ins Schwitzen zu kommen.

Untergebracht war ich in einem Appartement im 26. Stock gegenüber dem Büro. Der Weg dorthin führte zwar nur über eine Straße – sie zu überqueren, war aber dennoch eine Herausforderung. Ich orientierte mich immer an den Einheimischen, wann man sich zwischen den Autos durchdrängeln konnte und wann nicht. Auch im Linksverkehr musste ich mich erst einmal umorientieren. Ich würde den Verkehr in Sri Lanka wie folgt beschreiben: Jeder fährt ein Rennen, aber alle wollen in unterschiedliche Richtungen.

Mein Appartement (links oben) und mein Arbeitsweg

Anders als man denkt

Nach einer Woche in Colombo ging es für mich nach Dambulla ins Baustellenbüro, wo ich die meiste Zeit verbrachte. Von dort fuhr ich fast täglich auf die Baustellen, um den Baufortschritt zu überprüfen und mit den ausführenden Bauunternehmern zu sprechen. Es brauchte einige Tage, bis ich mir einen Überblick verschafft und mich in viele Baustellen eingearbeitet hatte. Bei den ganzen Großbaustellen, die parallel laufen, kommt man am Anfang dann doch schnell durcheinander.

Ich trug eine Menge Verantwortung, was mir extrem viel Spaß bereitet hat. Wenn zum Beispiel fünf chinesische Bauunternehmer zu mir – einem deutschen Praktikanten – kamen und ich ihnen sagen sollte, was sie zu verbessern haben, war das schon ein komisches, aber auch tolles Gefühl. Zuerst befürchtete ich, dass die Dimensionen der Projekte und das Auslandspraktikum eine Nummer zu groß seien. Jedoch habe ich schnell Selbstvertrauen gefasst und hatte um so mehr Freude an der Aufgabe.

Tierische Abenteuer

Auf den Baustellen erlebten wir Abenteuerliches: Wir fuhren beispielsweise mit einem selbstgebauten Floß über einen See, um überhaupt zu einer Baustelle zu gelangen. Ein anderes Mal haben wir Elefantenabdrücke entdeckt. Die nicht ungefährliche Bekanntschaft mit lebendigen Exemplaren in freier Wildbahn blieb uns zunächst glücklicherweise erspart. Genauso wie die Begegnung mit dort heimischen Raubtieren. An dieser Stelle ein kleiner Überlebenstipp meiner Kollegen: Falls ihr einem wilden Elefanten begegnen solltet, flieht bergab – dann seid ihr vielleicht schneller als der Verfolger.

Unweit der Baustelle tauchten später dann doch noch freilebende Elefanten auf. Allerdings in ausreichendem Abstand. Bei einer Safari konnte ich weitere einheimische Tiere beobachten. Die zahlreichen kleinen stechenden und krabbelnden Plagegeister hätte ich mir dabei allerdings lieber erspart. Diese waren scheinbar an einer WG-Gründung in meinem Hotelzimmer interessiert. In Sri Lanka kann man wohl nicht nur Land und Leute kennenlernen, auch Flora und Fauna heißen jeden herzlich willkommen! 😉

Da ich schon dort arbeitete, wo andere Urlaub machen, wollte ich das Land auch von der touristischen Seite kennenlernen. Die Menschen sind sehr gastfreundlich. Auf einer meiner Entdeckungstouren bot sich sogar eine Führung durch ein Wasserkraftwerk an. Und wenn man mal nicht so weit laufen mochte, fand sich an jeder Ecke ein Tuktuk. Mit der richtigen Verhandlungstaktik kommt man damit ziemlich günstig von A nach B.

Der Aufenthalt in Sri Lanka war eine lehrreiche Erfahrung, sowohl für mein Berufsleben als auch für mich persönlich. Ich kann es jedem empfehlen, der ein etwas anderes Praktikum mit Abenteuerpotential erleben möchte. Mit meinen ehemaligen Kollegen vor Ort stehe ich noch immer in Kontakt. Sie berichten mir von den Baufortschritten. So viel ich hier auch schildere, die gigantischen Dimensionen solcher internationalen Projekte muss man gesehen haben, um es zu glauben.

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